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"DIE KRANKHEIT"

Sylvester bewohnte in der Pension "Schönblick", Davos-Dorf, ein schmales Südzimmer mit Privatbalkon im ersten Stock. Die Pension stand am Wald, dicht vor dem Ausgang der Schatzalpbobbahn. Sie wurde preiswert und hygienisch geführt von dem Ehepaar Paustian, zwei alten Davosern, die vor Jahren schwerkrank ins Tal kamen und sich nach Besserung ihres Leidens dauernd in Davos niederließen. An dem Ehepaar Paustian hatte Dr. Ronken seinerzeit zuerst den Pneumothorax erprobt, als sie noch seine Patienten im Sanatorium Beaurivage waren, den Pneumothorax, jene nunmehr allgmein bekannte und bewährte Vorrichtung, durch die, bei Gesundheit der einen Lunge, die zweite kranke Lunge zum Einschrumpfen gebracht wird.
In der Pension "Schönblick" wurde das Ehepaar Paustian deswege mit einem gewissen Spott Pneumo und Thrax benannt. Sie waren beide von jener Art Kungenkranker, die die Krankheit durchsichtiger, gläserner und gleichsam innerlicher gewandelt hat.
Sylvester sprach gern mit dem Thorax, mit dem ihn die Freude des geistigen Kranken an Büchern verband.
Thorax, seinem ehemaligen Beruf nach deutscher Apotheker, schrieb in den wenigen Stunden, die er nicht Kur machen mußte, kleine literarische Betrachtungen über Schlegel, über J. Ch. Günther, über Gottfried Keler, kurz: über eine schöne, aber vergangene Literatur. Die Literaur der Gegenwart beglückte ihn wenig. Er las nur aus Höflichkeit Sylvesters Schriften, weil Sylvester sein Gast war. –

[…]

(aus: Die Krankheit)

 
 


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Immer wieder thematisiert Klabund das Leben der Kranken im Kurort Davos.
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In Davos lernte Klabund auch Brunhilde Heberle kennen, die er Irene nannte.
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