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Klabund

"DIE SONETTE AUF IRENE"

Als Irene (eigtl. Brunhilde Heberle) starb, schrieb Klabund in den Nächten nach ihrem Tod Trauersonette, die zu den eindrücklichsten Trauerdichtungen in der deutschen Literatur zählen: eine schonungslose Trauerarbeit, welche die Erotik der vergangenen gemeinsamkeit ebenso evoziert wie die Verwesung des abgestorbenen Leibes der Geliebten.

VIII

Kämst du doch eine Nacht, wie ich dich kannte,
Im leichten Hemd zu mir ins Bett geschlüpft!
Die goldne Schnur der Küsse war geknüpft
Aus Sternenfäden, die Urania sandte.

Der Mond sein Licht auf unser Spiel verwandte,
Das er mit kleinem Heiligenschein getüpft.
Er zitterte, wenn ich das Hemd gelüpft
Und deine Brüste rot mit Küssen brannte.

In einer Nacht wie dieser ward das Kind.
Du weisst es noch und fühltest, dass es werde.
Der Schneewald sang. Die Wand zersprang im wind.

An Schlitten klang Geläut der Nebel-Pferde.
Du sprachst: Weil wir nun eins geworden ind,
So steigt im kind der Himmel auf die Erde.

XVII

Nachts steige ich mit Lampe, Hammer, Schippe
In Sturm und Regen übern Friedhofzaun.
Ich taste glücklich mich und ohne Gram
Durch alle Gräber zu der heiligen Krippe.

Ich schaufle und zerbrech den Sarg. Die Lippe
Seh ich im Scheine der laterne blaun.
Und deine halbgeschlossnen Augen schaun
Nach innen auf den Tanz der Engelsippe.

Und meine Lippen küssen dein Skelett.
Sie neiden dem Gewürm die schönsten Brüste.
Der faule Sarg dünkt mich ein Himmelsbett.

Umarmung deines Todes: frömmste üste!
Ich schliesse schluchzend das gekreuzte Brett,
Und regnend spült’s mich an die irdsche Küste.

(aus: Die Sonette für Irene)

 
 


KLABUND LESEN!


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Als Privatdruck für Freunde veröffentlichte Klabund seine "Kleinen Verse für Irene"
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Später heiratete Klabund erneut: Die Schauspielerin Carola Neher. Motive der Erzählung "Die Silberfüchsin" - so ist immer wieder zu lesen - sollen Carola und die Beziehung charakterisieren.
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