Die Harfen jule
Emsig dreht sich meine Spule, immer zur Musik bereit, denn ich bin die Harfenjule, schon seit meiner Kinderzeit.
Niemand schlägt wie ich die Saiten, niemand hat wie ich Gewalt. Selbt die wilden Tiere schreiten sanft wie Lämmer durch den Wald.
Und ich schlage meine Harfe, wo und wie es immer sei, zum Familienbedarfe, Kindertauf’ oder Rauferei.
Reich mir einer eine Halbe oder einen Groschen nur, als des Sommers letzte Schwalbe schwebte ich durch die Natur.
Und so dreht sich meine Spule, tief im Innersten bewegt, bis die alte Harfenjule einst im Himmel Harfe schlägt.
(aus: Die Harfenjule, 1927)
Die meisten Editionen der Texte aus der "Harfenjule" geben diese als Lieder in Versen wieder. Dies ist sicher möglich; Klabund aber lies die Texte wie Liederbuchtexte fortlaufend drucken, ohne einen Verswechsel. Lediglich die Strophen sind durch Absätze getrennt. Druck, Papier und Einband sollten den Band wie "ein trivialliterarisches Groschenheft" erscheinen lassen "und ihm eine möglichst große Verbreitung sichern" (Ralf Georg Bogner im Kommentar zur Edition). |